Zu spät!
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Ihm ist es ernst


Nanny des Monats
August 2009: Roderich Egeler

Für gewöhnlich werden all jene, die den kollektiven Tiefschlaf im Puppenheim, zu welchem die Bundesrepublik geworden ist, zu stören drohen, totgeschwiegen. Sie, studierter Volkswirt, Beamter und damit natürlich die ideale Besetzung für den Posten des Bundeswahlleiters, haben die Verteidigung des bundesdeutschen Biedermeiers auf eine neue Stufe gehoben: Wer in unserem alleinseligmachenden parlamentarischen System zu stänkern versucht, wird erst gar nicht zur Wahl zugelassen.

Wie bitte? Da habe ich juristisch fragwürdig gehandelt? Womöglich Formfehler gemacht? Na und, verklagt mich doch! Bis das entschieden ist, vergehen Jahre. Und die Bundestagswahl wird bestimmt nicht wiederholt wegen euch kleiner Pisser.

Nein, so würden Sie sicher niemals denken, Herr Bundeswahlleiter. Sie verbannen ja auch nicht einfach in Gutsherrenmanier von den Stimmzetteln, wer Ihnen nicht paßt, wer Ihrer Partei, der CDU, unangenehm werden könnte, oder von wem Sie meinen, er und seine Ziele wären nicht ernsthaft genug. Nein, das erledigt mit Ihnen der Bundeswahlausschuß. In dem praktischerweise die Parteien sitzen, die bereits im Bundestag sitzen. Und denen ist es nun wirklich bitterernst, wie jeder jeden Tag erleben kann: mit der Verteidigung ihrer Macht und der damit verbundenen Pfründe.

Widerstand ist zwecklos. Hinweise auf die Absurdität unserer Parteienherrschaft, deren alltägliche Volksverhöhnung, sind es erst recht. Es herrscht Ruhe im Land. Gute Nacht.

 

 

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